Auflösungsvermögen


Digital und Analog im Vergleich



Als Auflösungsvermögen oder Auflösung bezeichnet man in der Fotografie die Fähigkeit eines Objektivs, Films oder Sensors, bestimmte kleinste Strukturen noch wiedergeben zu können. Bei Digitalkameras hängt die Auflösung vor allem vom Kamerasensor und vom verwendeten Objektiv ab. Da die ersten Digitalkameras Sensoren mit einer relativ geringen Auflösung hatten, kamen ständig neue Gehäuse auf den Markt, die deutliche Vorteile gegenüber den Vorgängermodellen hatten. Inzwischen sind die Sensorauflösungen deutlich höher als die Auflösungen der meisten Objektive. Die Industrie versteht es jedoch, Amateurfotografen immer wieder von der Notwendigkeit eines Kamerawechsels zu überzeugen.

Nachteile hochauflösender Sensoren

Je höher die Pixeldichte auf einem Sensor ist, desto höher ist physikalisch bedingt das Bildrauschen. Als Bildrauschen bezeichnet man die Verschlechterung eines digitalen bzw. elektronisch aufgenommenen Bildes durch Störungen, die keinen Bezug zum eigentlichen Bildinhalt, dem Bildsignal, haben. Die störenden Pixel weichen in Farbe und Helligkeit von denen des eigentlichen Bildes ab. Dabei wird zwischen dem Farbrauschen (Abweichung von der Farbe) und dem Luminanzrauschen (Abweichung von der Helligkeit) unterschieden. Besonders hoch ist das Bildrauschen bei Kameras mit kleinem Sensor und hoher Auflösung.

Bei einem 24-MP-Vollformat-Sensor betägt die Pixelgröße etwa 6 Mikrometer, bei einem 24-MP-APS-C-Sensor hingegen weiger als 4 Mikrometer. Größere Sensor-Pixel können mehr Licht aufnehmen, was ein besseres Signal-Rausch-Verhältnis bedingt. 

Bei einer hohen Pixeldichte kommt es aufgrund der kleinen Pixelgröße bei schlechten Lichtverhältnissen zu starkem Rauschen. Höhere Filmempfindlichkeiten entsprechen bei Digitalkameras höheren Signalverstärkungen, wodurch auch das Rauschen verstärkt wird. Das Rauschen zeigt sich im Bild durch fehlfarbige Pünktchen in Farbflächen und durch Helligkeitsschwankungen in dunklen oder hellen Bildbereichen sowie durch ausfransende Umrisslinien.

Hohe Sensorauflösungen führen also zu stärkerem Bildrauschen, das mit einer kamerainternen Rauschunterdrückung reduziert werden muss. Durch die Rauschunterdrückung kommt es zum Detailverlust und damit zu einer Reduzierung der Bildschärfe. Vorteilhaft ist die hohe Pixeldichte hingegen in Bezug auf den Moiré-Effekt. Das gilt jedenfalls für den Bayer-Sensor, der mit einem Schachbrett- ähnlichen Farbfilter überzogen ist. Beim Faveon- Sensor von Sigma liegen die unterschiedlichen Farbsensoren nicht nebeneinder, sondern übereinander. Der Faveon- Sensor hat keine Farbmoirés und die Bildschärfe ist schon bei geringer Pixelanzahl recht hoch. Der X-Trans-Sensor von Fujifilm verwendet ein Pixelmuster, das komplexer ist als das eines Bayer- Sensors. Der Moiré-Effekt wird minimiert, insbesondere Moirés in einzelnen Farben. Fuji-Kameras mit dem X-Trans Sensor verzichten deshalb auf einen Anti- Aliasing- Filter. Die messbare Auflösung wird für mehrere Farbbereiche verbessert, wodurch sich die Gesamtauflösung verbessert. Fujifilm behauptet unter anderem, dadurch mit Sensoren im APS-C-Format die Auflösung von Vollformatsensoren zu erreichen.

In einem Artikel im PC-Magazin heißt es: Weniger Pixel auf der Sensorfläche bedeutet größere Pixel, höhere Lichtausbeute und weniger Rauschen. 

Rauschen bei einem Smartphone-Foto
Beispiel: Kleiner Sensor, hohe Pixeldichte, hoher ISO-Wert, starkes Bildrauschen


Modulations-Übertragungsfunktion MTF

Wir haben bereits gelernt, dass man in der Digitalfotografie unter dem Auflösungsvermögen die kleinste Struktur versteht, die der Kamerasensor noch wiedergeben kann. Zur Ermittlung des Auflösungsvermögens werden Testaufnahmen von Strichmustern angefertigt, die in der Regel schwarz-weiß sind. Das Strichmuster besteht aus vertikalen Linien, deren Abstand und Dicke nach rechts abnehmen. Die Ermittlung des Bildauflösungsvermögens erfolgt durch Abzählen der noch erkennbaren Anzahl von Strichintervallen pro Millimeter. Der ermittelte Wert wird auch Modulationsübertragungsfunktion (MTF) genannt.

Die linke Hälfte des unteren Bildes zeigt die Vorlage. So sähe auch das ideale Foto des Strichmusters aus. In der Realität erhält man jedoch ein Foto, wie es in der rechten Hälfte des Bildes zu sehen ist. Die Linien sind unscharf und verschmieren nach rechts hin immer mehr. Als Auflösung wird nun der kürzeste Abstand definiert, den zwei Linien haben dürfen, um noch als zwei getrennte Linien gesehen werden zu können. Aus diesem Abstand ergibt sich die Anzahl der Linien pro Millimeter. 

Mit einem solchen Strichmuster werden nur Werte in Bezug auf Hell-Dunkel-Kontraste geliefert. Zur Ermittlung der Auflösung von vielfarbigen Strukturen sind mehrfarbige Vorlagen erforderlich.

Linienpaare MTF


Auflösung einiger Filme und Sensoren

Bei Filmen wird die Auflösung in Linienpaaren pro Millimeter angegeben. Bei Kamerasensoren wird oft die Anzahl der Pixel als Auflösung angegeben. Die tatsächlich vom Sensor erreichte Auflösung hängt jedoch nicht nur von der Anzahl der Pixel ab. Auch die Größe des Bildsensors und die von der Kamera zur Verarbeitung der Bildsignale verwendete Hard- und Software haben Einfluss auf die Auflösung. Eine Messung der tatsächlich physikalisch vorhandenen Auflösung kann nur über eine differenzierte Messmethode ermittelt werden.

Um Sensoren unterschiedlicher Größe miteinander vergleichen zu können, multipliziert man den ermittelten Auflösungswert (Linienpaare pro Millimeter) mit der Sensorhöhe. In der nachfolgenden Tabelle sind drei Filme aufgeführt, deren Auflösungswert zwecks Vergleichbarkeit mit der Filmbreite multipliziert wurde.


Kamera / FilmAuflösung bei ISO 100Rauschen bei ISO 1600Rauschen bei ISO 3200DR bei ISO 800
Kodak Ektar 100ca. 2.000 Linienpaarenicht zutreffendnicht zutreffend10 Blendenstufen
Fuji Provia 100 Fca. 2.800 Linienpaarenicht zutreffendnicht zutreffend8 Blendenstufen
Kodak T-Max 100ca. 4.000 Linienpaarenicht zutreffendnicht zutreffend12 Blendenstufen
Sony Nex-61.379 Linienpaaregutgut9,7 Blendenstufen
Sony A7s1.286 Linienpaaresehr gutsehr gut9,7 Blendenstufen
Sony A7R II2.448 Linienpaaresehr gutgut10,0 Blendenstufen
Fujifilm X-T11.795 Linienpaaresehr gutsehr gut11,3 Blendenstufen
Canon EOS 750D1.753 Linienpaaregutgut9,3 Blendenstufen
Canon EOS 5D III1.751 Linienpaaresehr gutsehr gut10,0 Blendenstufen
Canon EOS 5Ds R2.722 Linienpaaresehr gutsehr gut9,0 Blendenstufen
Nikon 1 V21.323 Linienpaarebefriedigendbefriedigend7,7 Blendenstufen
Nikon D800E2.313 Linienpaaresehr gutsehr gut9,0 Blendenstufen
Olympus E-M5 II1.679 Linienpaarebefriedigendbefriedigend11,3 Blendenstufen
Panasonic GH51.905 Linienpaaresehr gutgut10,3 Blendenstufen
Pentax K5 II1.375 Linienpaaresehr gutgut9,0 Blendenstufen
Pentax 645Z2.389 Linienpaaresehr gutsehr gut10,0 Blendenstufen
Samsung NX12.087 Linienpaaresehr gutbefriedigend9,7 Blendenstufen


Vergleich Analog-Digital

Unter optimalen Bedingungen können die besten KB-Diafilme mit einer 20-MP-Kamera mithalten. In der Praxis kommt es durch nicht optimale Filmentwicklung, falsche Lagerung und geringe Objektiv- Güte oft zu deutlich schlechteren Ergebnissen. Beim Scännen eines Dias, auch mit einem  hochwertigen Diascänner, kommt es zu einem weiteren Qualitäts- Verlust. Deshalb entsprechen Scäns von ISO-100-Dias je nach Qualität und Filmmaterial nur der Auflösung einer 6-10 MP Kamera. Bei hohen ISO-Zahlen sind digitale Kameras den analogen deutlich überlegen. Digitale Vollformat-Kameras übertreffen analoge Mittelformat-Kameras. Digitale Mittelformat-Kameras übertreffen Großformat- Kameras, sind jedoch extrem teuer und haben nicht die Verstellmöglichkeiten einer Fachkamera. Digitale Fachkameras sind selten und extrem teuer.

Gebrauchte virtuelle Trommelscänner (Imacon Flextight) sind inzwischen bezahlbar geworden. Damit lassen sich Filme bis zu einer Größe von 13 x 18 cm scännen. Ein Kleinbild-Film wird mit 5000 dpi gescännt, was eine Bildgröße von etwa 7000 x 4700 Pixel ergibt. So hoch löst ein normaler Diafilm nicht auf, trotzdem ist die Bildqualität besser als beim Nikon Coolscan. Ein 4x5" Planfilm wird mit einer Auflösung von 2040 dpi gescännt, ein 5x7" Planfilm mit nur 1600 dpi. Die Bildgröße beträgt in beiden Fällen etwa 10.000 x 7500 Pixel. Im Vergleich dazu liefert die 36-MP-Kamera Sony A7r eine Bildgröße von 7.360 x 4.912 Pixeln. Wer digitale Fotos braucht, ist mit einer digitalen Kamera besser bedient, als mit einer analogen. Die Projektion über einen Dia-Projektor schlägt noch immer jeden digitalen Beamer. Schwarzweiss-Negativfilme sind weiterhin unerreicht. Wer Schwarz-Weiß fotografiert und selber entwickelt, kann dem technischen Fortschritt entspannt entgegen sehen und sich über das gesparte Geld freuen.


Auflösung von Kameraobjektiven

Viele Digitalkameras werden zusammen mit einem Zoom-Objektiv verkauft. Hochwertige Kit-Objektive haben oft ein Auflösungs-Vermögen von weniger als 14 Megapixeln, und zwar im Bildzentrum. Am Bildrand sind es dann oft nicht einmal 8 Megapixel. Einfache Kit-Objektive liegen noch weit darunter. Auflösungen von mehr als 20 MP sind in der Regel nur mit sehr guten und teuren Festbrennweiten zu erreichen.

Neben der geringeren Auflösung haben einfache Objektive auch einen geringeren Kontrastumfang und höhere Abbildungsfehler (Verzeichnungen, Farbsäume, Blendenflecken, etc.) als hochwertige. Andere Faktoren sind Lichtstärke, Fokussierungs- Geschwindigkeit und mechanische Qualität. Es ist deshalb oft sinnvoller, in ein besseres Objektiv zu investieren, als in ein neues Kameragehäuse. Sonst erhält man statt mehr Bildinhalt nur eine größere Datenmenge.

Sinnvolle Kameraauflösungen: MFT-Kamera: 12 MP (16 MP*), APS-C-Kamera: 16 MP (24 MP), Vollformat-Kamera: 24 MP (36 MP). Nur die besten Objektive erreichen diese Auflösung. Eine Stufe höher (der Wert in Klammern) mag noch in Ordnung sein, da aufgrund der höheren Pixelzahl das Bild schärfer erscheinen kann, auch wenn es nicht mehr Details enthält. Außerdem gibt es einige Ausnahme-Objektive auf dem Markt, die zumindest in der Bildmitte höher auflösen. Viele Fotos schauen jedoch unschön aus, wenn das Bildzentrum scharf ist, der Bildrand aber nicht. Eine APS-C-Kamera mit mehr als 24 MP oder eine Vollformat-Kamera mit mehr als 36 MP zu kaufen macht, wenn überhaupt, dann nur mit extrem guten Festbrennweiten Sinn. Wer das teuerste Kameragehäuse kauft, aber bei den Objektiven spart, hat nichts verstanden. Die enormen Verbesserungen digitaler Kameras machen die Objektive zum bestimmenden Faktor bei der Bildqualität. Eine gute Auswahlhilfe bei Objektiven bietet die Seite Pixel Peeper.

* Eine MFT-Kamera mit 16 MB hat im Format 3:2 eine Auflösung von nur 14 MP.


Auflösung einiger Vollformat-Objektive

Nachfolgend als Beispiel die Auflösung einiger Objektive an der Canon EOS 5D Mark II. Mit einer höher auflösenden Kamera erhält in der Regel keine besseren Werte.

Objektivf2,8 Zentrumf2,8 Randf8 Zentrumf8 Rand
Canon EF 85mm 1,2 L II USM1.262 LP904 LP1.171 LP1.074 LP
Sigma 85mm f1,4 DG HSM Art1.207 LP1.109 LP1.164 LP1.146 LP
Sigma 35mm 1.4 DG HSM Art1.180 LP999 LP1.153 LP1.094 LP
Samyang 35mm 1,4 AS UMC
1.200 LP891 LP1.186 LP1.098 LP
Canon EF 50mm 1,8 I1.110 LP723 LP1.044 LP1.058 LP
Sigma 50mm 2,8 EX DG Makro
809 LP745 LP1.140 LP1.075 LP
Sigma 14mm 2,8 EX1.083 LP519 LP1.112 LP715 LP
Samyang 24mm 1,4 ED AS IF UMC1.018 LP774 LP1.135 LP1.058 LP
Canon EF 200mm 2L IS USM
1.127 LP1.036 LP1.170 LP1.165 LP

Die Auflösungs-Werte für Kameras und Objektive sind unterschiedlichen Tests entnommen. Da die Testverfahren nicht genormt sind, sollten alle Angaben nur als Schätzwerte verstanden werden. Alle Angaben ohne Gewähr.



Welche Auflösung brauche ich? Oder: Weniger ist manchmal mehr!

Zur Freude der Kamerahersteller glauben viele "Fotografen", dass sie immer das neueste Kameramodell brauchen, weil es höher auflöst, schnellere Bildfolgen ermöglicht, und so weiter. Gut ist das für Leute mit wenig Geld, denn die wenig benutzen Kameragehäuse landen auf dem Gebrauchtmarkt. In vielen Vergleichtests wird klar, dass das neueste Kamergehäuse (im hippen Kauderwelsch auch Kameraboddie oder Kamerakörper genannt), deutlich besser ist als das Vorgängermodell. Wie schön wäre es, wenn die Qualität der produzierten Fotos in gleicher Weise steigen würde. Wahrscheinlich ist eher das Gegenteil der Fall, denn dank hoher Filmempfindlichkeit und guter Bildstabilisierung werden heute noch mehr Fotos ohne Stativ gemacht, als es schon früher der Fall war. Nichts gegen Schnappschüsse*, aber Knipser brauchen teure Kameras nur zum angeben. Wie oft habe ich auf meinen Reisen schon Fotografen mit einer teuren Leica gesehen, die sofort verschämt das Weite gesucht haben, als sie mich mit meinem Stativ fotografieren sahen. Manchmal bin ich ihnen gefolgt, und es war immer dasselbe: man sah schon auf den ersten Blick, dass sie mit der Kamera nicht umgehen konnten.

* Um nicht missverstanden zu werden: gekonnte Schnappschüsse, wie sie bei Meistern der sogenannten "Straßenfotografie" zu finden sind, meine ich nicht. Der "Straßenfotograf" muss oft im Bruchteil einer Sekunde mehrere Einstellungen wie Perspektive, Bildausschnitt, Blende, etc., festlegen. Zusätzlich muss er neben dem Hauptmotiv auch noch den Hintergrund beachten. Das ist anspruchsvolle Fotografie, die ein hohes Maß an Können und sehr viel Erfahrung verlangt.

Kamerahersteller wollen Kameras verkaufen, und Fotozeitschriften sind auf Anzeigenschaltungen angewiesen. Das sollte kritisch machen, zumindest insofern, dass man Aussagen beider Gruppen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Dazu fehlt es vielen Gelegenheits- Fotografen jedoch an Wissen. Deshalb wollen wir an dieser Stelle mal diskutieren, welche Auflösung überhaupt erforderlich ist. Wir haben gesehen, dass hohe Pixeldichten problematisch, und hochauflösende Objektive teuer sind. Je höher die Auflösung gewählt wird, desto größer sollte der Sensor sein. Das wiederum bedingt größere und schwerere Kameragehäuse und Objektive und verursacht höhere Kosten. Es macht also Sinn, eine Kamera mit nur der Auflösung zu kaufen, die man auch benötigt.

Wer seine Fotos ausschließlich mit digitalen Medien betrachtet, also auf dem Monitor, dem Fernseher, oder mit einem Videoprojektor, braucht bei HD eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Eine 3 Megapixel- Kamera genügt. Wer einen großen 4k-Fernseher hat, oder einen teuren 4K-Videoprojektor, braucht eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln. Hier reicht eine 10-MP-Kamera mit 3888 x 2593 Pixeln aus. Um Bildausschnitte wählen zu können, darf es natürlich noch etwas mehr sein; ein zu großer Beschnitt ist aber nicht sinnvoll. Also reichen 12 MP. 

Die höchsten Auflösungen benötig man für Fotoabzüge. Bei geringem Betrachtungsabstand sollte die Auflösung eines Fotos idealerweise 300 dpi haben. Höhere Werte sind nutzlos, weil der erhöhte Detailreichtum von unseren Augen nicht wahrgenommen werden kann. Bei zunehmendem Betrachtungsabstand nimmt der benötigte dpi-Wert ab. Für Wandbilder und kleine Fotoausstellungen hat sich die Größe 30 x 45 cm bewährt. Ein Bild von 30 x 45 cm hat bei 300 dpi eine Aufösung von etwa 5.000 x 3.500 Pixeln, was einer Kameraauflösung von 18 MP entspricht. Da man ein Wandfoto normalerweise nicht von ganz nah anschaut, reichen 16 MP allemal aus. Aber bedenke: Eine hohe Kameraauflösung allein ist keine Garantie für einen hohen Detailgrad beim Ausdruck. Eine Auflösung von 24 Megapixen ist sicherlich optimal, aber nur die besten Vollformat-Objektive erreichen diese Auflösung. Viele Vollformat-Zoom- Objektive liefern weniger als 10 Megapixel, viele APS-C-Format- Zoomobjektive sogar weniger als 6 Megapixel! Bei höheren ISO-Werten liefert eine rauschfreie 12-MP-Vollformat-Kamera mit einem guten Objektiv detailreichere Bilder als eine ähnliche 24-MP-Kamera mit einer starken Rausch- Unterdrückung oder einem schlechten Objektiv. Die Praxis hat gezeigt, dass man Bilder einer guten 12-MP-Vollformat-Kamera bei einem für diese Größe üblichen Betrachtungs- Abstand bis auf 45 x 70 cm vergrößern kann. Profikameras wie die Nikon D3s von 2010 mit einer Auflösung von nur 12 Megapixel sind auch heute noch sehr gefragt. Als beste Schwachlicht-Kamera gilt die Sony A7s, die aus physikalischen Gründen ebenfalls eine Auflösung von 12 Megapixeln hat. An dieser Stelle kommt die Frage auf, wie wichtig es für den täglichen Einsatz ist, dass die Kamera bei sehr hohen ISO-Werten einsetzbar ist. Wer früher analog fotografiert hat, und nur ISO-100- Filme zur Verfügung hatte, wird schon glücklich sein, wenn er mit ISO 400 fotografieren kann.

Einige Digitalkameras bieten eine sogenannte Pixelverschiebe-Funktion. Dabei nimmt die Kamera mehrere unkomprimierte RAW-Bilder auf, während sie den Bildsensor um jeweils einen Pixel verschiebt. Aus den Einzelbildern wird im Kameragehäuse ein Bild mit der mehrfachen Sensorauflösung erstellt. Aufgrund der begrenzenden Auflösung des Objektivs sind damit keine deutlich höheren Auflösungen zu erreichen, jedoch wird die Bildqualität verbessert, vor allem bei Kameras mit Bayer-Sensor. Dadurch werden kleine Strukturen im Bild klarer und schärfer. Landschafts- und Architektur- Fotografen dürfen davon profitieren.

Einen Vorteil digitaler Kameras möchte ich noch erwähnen: Aus mehreren, sich überlappenden Hochformat-Aufnahmen, kann man am Computer ein Foto mit der doppelten Kameraauflösung erstellen. Oder Panorama- Aufnahmen mit der drei- oder vierfachen Kamera- Auflösung. Man erspart sich durch diese Technik sogar ein Super- Weitwinkel- Objektiv. Die Bildqualität ist auch besser, da längere Brennweiten weniger Verzeichnungen haben. Ein Stativ ist empfehlenswert. Spezielle Panorama- Köpfe ermöglichen sogar mehrzeilige Aufnahmen. Für Schnappschüsse ist die Methode selbstverständlich nicht geeignet, aber bei Architektur- und Landschafts- Aufnahmen kommt man so zu sehr hochauflösenden Fotos, die man allerdings extrem selten benötigt.

Panoramasystem mehrzeiligPanoramasystem einzeilig
Bildquelle: Novoflex.de
Quellen: Wikipedia, Chip, Traumflieger, DPReview

Ein (nicht ganz) neues Syndrom

Die Amerikaner sind sehr kreativ, die Deutschen leider nicht. So werden ständig neue Begriffe aus dem Englischen übernommen, ohne ein passendes deutsches Wort dafür zu erfinden, denn das erfordert ebenfalls Kreativität.

Der Wunsch von Fotoamateuren, immer das neueste und beste zu besitzen, hat zu dem Begriff "Gear Acquisition Syndrome", kurz GAS, geführt. Also dem Krankheitsbild, ständig eine neue Ausrüstung erwerben zu müssen. Geeignete deutsche Begriffe sind Amateurfotografen-Krankheit oder Ausrüstungs-Sucht. Statt die zur Verfügung stehende Zeit mit fotografieren zu verbringen, beschäftigen sich die Betroffenen lieber mit der Technik. Sie lesen ständig Test- und Erfahrungsberichte, verzweifeln an den Kritikpunkten, und kaufen immer wieder neu, mit dem unguten Gefühl, schon bald wieder nur das zweitbeste zu besitzen. Die Fotoausrüstung ist nicht mehr das Werkzeug des Hobbies, sondern der Hauptzweck. Das Fotografieren wird zur Nebensache. Deutlich zu erkennen ist das auf dem Gebrauchtmarkt. Ein großer Teil der angebotenen Kameraausrüstung wurde kaum benutzt. Eine Recherche im Internet, z. B. auf www.flickr.com, zeigt schnell, dass mit den besten und teuersten Objektiven fast nur schlechte Schnappschüsse produziert werden. Eine billige Kompakt-Kamera hätte dafür ausgereicht.

An dieser Stelle noch ein Wort zu Kamera-Testberichten: Immer wieder werden Spitzenmodelle in Kamera-Tests abgestuft, weil sie kein eingebautes Blitzgerät haben. In Wahrheit stuft das jedoch nicht die Kamera herab, sondern den Tester bzw. das Fotomagazin. Kein seriöser Kamerahersteller wird in eine Profi-Kamera ein Mini-Blitzgerät einbauen, denn der Profifotograf braucht kein Spielzeug, sondern ein Arbeitsgerät. Nur Dilettanten schalten nachts, vor einem großen Gebäude stehend, das Miniatur- Blitzgerät ihrer piepsenden Anfänger-Kamera ein. Ähnliches gilt für Motivprogramme. In einigen Tests gehen selbst minimale Unterschiede, die sich in der Praxis nicht bemerktbar machen, in die Bewertung ein. Was also sind solche Testberichte wert? Sicherlich sind sie nicht generell unbrauchbar, aber man sollte sie kritisch lesen.

Technik ist nicht alles

Die Kamera ist das Werkzeug des Fotografen, nicht mehr, und nicht weniger! Kein Arzt kauft ständig das neueste Ultraschall-Gerät, obwohl er damit womöglich genauere Diagnosen stellen könnte. Kein Handwerker wechselt sein Werkzeug jedes Jahr gegen ein besseres aus. Doch viele Fotografen fiebern ständig dem neuesten Kameragehäuse entgegen. Das war schon immer so. Die aktuellen Digitalkameras und viele Objektive sind deutlich besser, als die letzten analogen Modelle. Konnte man deshalb im 20. Jahrundert keine guten Fotos machen? Wohl kaum. Fotografie ist mehr als nur Technik. Die Technik ist lediglich das Mittel zum Zweck.

Auto Wreck, Washington DC, 1923

Zusammenfassung und Schlussbemerkung

Die tatsächlich von der digitalen Kamera erreichte Auflösung hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Anzahl der Pixel spielen auch die Pixeldichte und die von der Kamera zur Verarbeitung der Bildsignale verwendeten Hard- und Software eine wichtige Rolle. Größere Sensoren liefern bei gleicher Auflösung eine bessere Bildqualität. Bei den teuersten Systemkameras begrenzt das Objektiv die reale Auflösung.

Je höher die Auflösung des Sensor ist, desto stärker machen sich Ungenauigkeiten im Bild bemerkbar. Wenn du in ein hochauflösendes Foto am Bildschirm "reinzoomst", wirst du jeden kleinen Bildfehler als störend empfinden. Kleine Verwacklungs-Unschärfen, Chromatische Aberrationen, Farbrauschen, Fehlfokussierungen - alles kommt zum Vorschein. Große Formate und hohe Auflösungen machen nur Sinn, wenn du ein sehr guter und pedantischer Fotograf bist. Umgekehrt haben gute Fotografen die Möglichkeit, sich dank der hervorragenden Technik von der Masse abzusetzen.

Die Entwicklung von Bildsensoren geht weiter und wird in den nächsten Jahren zu deutlich besseren Kameramodellen führen. Wer sich heute für ein System entscheidet, sollte das nicht von einem aktuellen Kameragehäuse abhängig machen, sondern vom Verwendungszweck und von den zur Verfügung stehenden Objektiven unter Berücksichtigung seiner finanziellen Möglichkeiten.

Einen wenig beachteten, aber enorm wichtigen Punkt, möchte ich hier noch erwähnen: eine Kamera ist wie eine Geliebte. Mit einer Kamera, in die man nicht verliebt ist, wird man nicht viele gute Fotos machen, und sei sie noch so perfekt. Vielleicht wird dir jetzt klar, warum gute Fotografen nicht alle zwei Jahre ihre Kamera wechseln?


Merke:

Ein guter Fotograf macht mit einer alten Kamera bessere Fotos,
  als ein schlechter Fotograf mit einer hochmodernen Kamera.

Kunst kommt von können, Technik-Verliebtheit vom Spieltrieb des Mannes.

Einen Profi-Fotografen erkennt man an seinem Stativ, und nicht an seiner Kamera.

Die Liste der besten Fotografen der Welt ist lang; keiner von Ihnen hatte eine teure Digitalkamera.

Die beste Fotoausrüstung taugt nichts, wenn man sie zuhause lässt oder nicht richtig bedienen kann.

Während des Fotografierens hat man keine Zeit, in der dicken Bedienungsanleitung nachzuschlagen.