Auflösungsvermögen


Digital und Analog im Vergleich



Als Auflösungsvermögen oder Auflösung bezeichnet man in der Fotografie die FĂ€higkeit eines Objektivs, Films oder Sensors, bestimmte kleinste Strukturen noch wiedergeben zu können. Bei Digitalkameras hĂ€ngt die Auflösung vor allem vom Kamerasensor und vom verwendeten Objektiv ab. Da die ersten Digitalkameras Sensoren mit einer relativ geringen Auflösung hatten, kamen stĂ€ndig neue GehĂ€use auf den Markt, die deutliche Vorteile gegenĂŒber den VorgĂ€ngermodellen hatten. Inzwischen sind die Sensorauflösungen deutlich höher als die Auflösungen der meisten Objektive. Die Industrie versteht es jedoch, Amateurfotografen immer wieder von der Notwendigkeit eines Kamerawechsels zu ĂŒberzeugen.

Nachteile hochauflösender Sensoren

Je höher die Pixeldichte auf einem Sensor ist, desto höher ist physikalisch bedingt das Bildrauschen. Als Bildrauschen bezeichnet man die Verschlechterung eines digitalen bzw. elektronisch aufgenommenen Bildes durch Störungen, die keinen Bezug zum eigentlichen Bildinhalt, dem Bildsignal, haben. Die störenden Pixel weichen in Farbe und Helligkeit von denen des eigentlichen Bildes ab. Dabei wird zwischen dem Farbrauschen (Abweichung von der Farbe) und dem Luminanzrauschen (Abweichung von der Helligkeit) unterschieden. Besonders hoch ist das Bildrauschen bei Kameras mit kleinem Sensor und hoher Auflösung.

Bei einem 24-MP-Vollformat-Sensor betĂ€gt die PixelgrĂ¶ĂŸe etwa 6 Mikrometer, bei einem 24-MP-APS-C-Sensor hingegen weiger als 4 Mikrometer. GrĂ¶ĂŸere Sensor-Pixel können mehr Licht aufnehmen, was ein besseres Signal-Rausch-VerhĂ€ltnis bedingt. 

Bei einer hohen Pixeldichte kommt es aufgrund der kleinen PixelgrĂ¶ĂŸe bei schlechten LichtverhĂ€ltnissen zu starkem Rauschen. Höhere Filmempfindlichkeiten entsprechen bei Digitalkameras höheren SignalverstĂ€rkungen, wodurch auch das Rauschen verstĂ€rkt wird. Das Rauschen zeigt sich im Bild durch fehlfarbige PĂŒnktchen in FarbflĂ€chen und durch Helligkeitsschwankungen in dunklen oder hellen Bildbereichen sowie durch ausfransende Umrisslinien.

Hohe Sensorauflösungen fĂŒhren also zu stĂ€rkerem Bildrauschen, das mit einer kamerainternen RauschunterdrĂŒckung reduziert werden muss. Durch die RauschunterdrĂŒckung kommt es zum Detailverlust und damit zu einer Reduzierung der BildschĂ€rfe. Vorteilhaft ist die hohe Pixeldichte hingegen in Bezug auf den MoirĂ©-Effekt. Das gilt jedenfalls fĂŒr den Bayer-Sensor, der mit einem Schachbrett- Ă€hnlichen Farbfilter ĂŒberzogen ist. Beim Faveon- Sensor von Sigma liegen die unterschiedlichen Farbsensoren nicht nebeneinder, sondern ĂŒbereinander. Der Faveon- Sensor hat keine FarbmoirĂ©s und die BildschĂ€rfe ist schon bei geringer Pixelanzahl recht hoch. Der X-Trans-Sensor von Fujifilm verwendet ein Pixelmuster, das komplexer ist als das eines Bayer- Sensors. Der MoirĂ©-Effekt wird minimiert, insbesondere MoirĂ©s in einzelnen Farben. Fuji-Kameras mit dem X-Trans Sensor verzichten deshalb auf einen Anti- Aliasing- Filter. Die messbare Auflösung wird fĂŒr mehrere Farbbereiche verbessert, wodurch sich die Gesamtauflösung verbessert. Fujifilm behauptet unter anderem, dadurch mit Sensoren im APS-C-Format die Auflösung von Vollformatsensoren zu erreichen.

In einem Artikel im PC-Magazin heißt es: Weniger Pixel auf der SensorflĂ€che bedeutet grĂ¶ĂŸere Pixel, höhere Lichtausbeute und weniger Rauschen. 

Rauschen bei einem Smartphone-Foto
Beispiel: Kleiner Sensor, hohe Pixeldichte, hoher ISO-Wert, starkes Bildrauschen


Modulations-Übertragungsfunktion MTF

Wir haben bereits gelernt, dass man in der Digitalfotografie unter dem Auflösungsvermögen die kleinste Struktur versteht, die der Kamerasensor noch wiedergeben kann. Zur Ermittlung des Auflösungsvermögens werden Testaufnahmen von Strichmustern angefertigt, die in der Regel schwarz-weiß sind. Das Strichmuster besteht aus vertikalen Linien, deren Abstand und Dicke nach rechts abnehmen. Die Ermittlung des Bildauflösungsvermögens erfolgt durch AbzĂ€hlen der noch erkennbaren Anzahl von Strichintervallen pro Millimeter. Der ermittelte Wert wird auch ModulationsĂŒbertragungsfunktion (MTF) genannt.

Die linke HĂ€lfte des unteren Bildes zeigt die Vorlage. So sĂ€he auch das ideale Foto des Strichmusters aus. In der RealitĂ€t erhĂ€lt man jedoch ein Foto, wie es in der rechten HĂ€lfte des Bildes zu sehen ist. Die Linien sind unscharf und verschmieren nach rechts hin immer mehr. Als Auflösung wird nun der kĂŒrzeste Abstand definiert, den zwei Linien haben dĂŒrfen, um noch als zwei getrennte Linien gesehen werden zu können. Aus diesem Abstand ergibt sich die Anzahl der Linien pro Millimeter. 

Mit einem solchen Strichmuster werden nur Werte in Bezug auf Hell-Dunkel-Kontraste geliefert. Zur Ermittlung der Auflösung von vielfarbigen Strukturen sind mehrfarbige Vorlagen erforderlich.

Linienpaare MTF


Auflösung einiger Filme und Sensoren

Bei Filmen wird die Auflösung in Linienpaaren pro Millimeter angegeben. Bei Kamerasensoren wird oft die Anzahl der Pixel als Auflösung angegeben. Die tatsĂ€chlich vom Sensor erreichte Auflösung hĂ€ngt jedoch nicht nur von der Anzahl der Pixel ab. Auch die GrĂ¶ĂŸe des Bildsensors und die von der Kamera zur Verarbeitung der Bildsignale verwendete Hard- und Software haben Einfluss auf die Auflösung. Eine Messung der tatsĂ€chlich physikalisch vorhandenen Auflösung kann nur ĂŒber eine differenzierte Messmethode ermittelt werden.

Um Sensoren unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe miteinander vergleichen zu können, multipliziert man den ermittelten Auflösungswert (Linienpaare pro Millimeter) mit der Sensorhöhe. In der nachfolgenden Tabelle sind drei Filme aufgefĂŒhrt, deren Auflösungswert zwecks Vergleichbarkeit mit der Filmbreite multipliziert wurde.

Aufloesung einiger Filme und Sensoren

Vergleich Analog-Digital

Unter optimalen Bedingungen können die besten KB-Diafilme mit einer 20-MP-Kamera mithalten. In der Praxis kommt es durch nicht optimale Filmentwicklung, falsche Lagerung und geringe Objektiv- GĂŒte oft zu deutlich schlechteren Ergebnissen. Beim ScĂ€nnen eines Dias, auch mit einem  hochwertigen DiascĂ€nner, kommt es zu einem weiteren QualitĂ€ts- Verlust. Deshalb entsprechen ScĂ€ns von ISO-100-Dias je nach QualitĂ€t und Filmmaterial nur der Auflösung einer 6-10 MP Kamera. Bei hohen ISO-Zahlen sind digitale Kameras den analogen deutlich ĂŒberlegen. Digitale Vollformat-Kameras ĂŒbertreffen analoge Mittelformat-Kameras. Digitale Mittelformat-Kameras ĂŒbertreffen Großformat- Kameras, sind jedoch extrem teuer und haben nicht die Verstellmöglichkeiten einer Fachkamera. Digitale Fachkameras sind selten und extrem teuer.

Gebrauchte virtuelle TrommelscĂ€nner (Imacon Flextight) sind inzwischen bezahlbar geworden. Damit lassen sich Filme bis zu einer GrĂ¶ĂŸe von 13 x 18 cm scĂ€nnen. Ein Kleinbild-Film wird mit 5000 dpi gescĂ€nnt, was eine BildgrĂ¶ĂŸe von etwa 7000 x 4700 Pixel ergibt. So hoch löst ein normaler Diafilm nicht auf, trotzdem ist die BildqualitĂ€t besser als beim Nikon Coolscan. Ein 4x5" Planfilm wird mit einer Auflösung von 2040 dpi gescĂ€nnt, ein 5x7" Planfilm mit nur 1600 dpi. Die BildgrĂ¶ĂŸe betrĂ€gt in beiden FĂ€llen etwa 10.000 x 7500 Pixel. Im Vergleich dazu liefert die 36-MP-Kamera Sony A7r eine BildgrĂ¶ĂŸe von 7.360 x 4.912 Pixeln. Wer digitale Fotos braucht, ist mit einer digitalen Kamera besser bedient, als mit einer analogen. Die Projektion ĂŒber einen Dia-Projektor schlĂ€gt noch immer jeden digitalen Beamer. Schwarzweiss-Negativfilme sind weiterhin unerreicht. Wer Schwarz-Weiß fotografiert und selber entwickelt, kann dem technischen Fortschritt entspannt entgegen sehen und sich ĂŒber das gesparte Geld freuen.


Auflösung von Kameraobjektiven

Viele Digitalkameras werden zusammen mit einem Zoom-Objektiv verkauft. Hochwertige Kit-Objektive haben oft ein Auflösungs-Vermögen von weniger als 14 Megapixeln, und zwar im Bildzentrum. Am Bildrand sind es dann oft nicht einmal 8 Megapixel. Einfache Kit-Objektive liegen noch weit darunter. Auflösungen von mehr als 20 MP sind in der Regel nur mit sehr guten und teuren Festbrennweiten zu erreichen.

Neben der geringeren Auflösung haben einfache Objektive auch einen geringeren Kontrastumfang und höhere Abbildungsfehler (Verzeichnungen, FarbsĂ€ume, Blendenflecken, etc.) als hochwertige. Andere Faktoren sind LichtstĂ€rke, Fokussierungs- Geschwindigkeit und mechanische QualitĂ€t. Es ist deshalb oft sinnvoller, in ein besseres Objektiv zu investieren, als in ein neues KameragehĂ€use. Sonst erhĂ€lt man statt mehr Bildinhalt nur eine grĂ¶ĂŸere Datenmenge.

Sinnvolle Kameraauflösungen: MFT-Kamera: 12 MP (16 MP*), APS-C-Kamera: 16 MP (24 MP), Vollformat-Kamera: 24 MP (36 MP). Nur die besten Objektive erreichen diese Auflösung. Eine Stufe höher (der Wert in Klammern) mag noch in Ordnung sein, da aufgrund der höheren Pixelzahl das Bild schĂ€rfer erscheinen kann, auch wenn es nicht mehr Details enthĂ€lt. Außerdem gibt es immer mehr Spitzen-Objektive auf dem Markt, die den hohen Anforderungen der neuen Kameras genĂŒgen. Dass diese Objektive oft teurer sind, als das KameragehĂ€use, versteht sich von selbst. Eine APS-C-Kamera mit mehr als 24 MP oder eine Vollformat-Kamera mit mehr als 36 MP zu kaufen macht, wenn ĂŒberhaupt, dann nur mit extrem guten Festbrennweiten Sinn. Wer das teuerste KameragehĂ€use kauft, aber bei den Objektiven spart, hat nichts verstanden. Die enormen Verbesserungen digitaler Kameras machen die Objektive zum bestimmenden Faktor bei der BildqualitĂ€t. Eine gute Auswahlhilfe bei Objektiven bietet die Seite Pixel Peeper.

* Eine MFT-Kamera mit 16 MB hat im Format 3:2 eine Auflösung von nur 14 MP.


Auflösung einiger Vollformat-Objektive

Nachfolgend als Beispiel die Auflösung einiger Objektive an der Canon EOS 5D Mark II. Mit einer höher auflösenden Kamera erhĂ€lt in der Regel keine besseren Werte.

Objektivf2,8 Zentrumf2,8 Randf8 Zentrumf8 Rand
Canon EF 85mm 1,2 L II USM1.262 LP904 LP1.171 LP1.074 LP
Sigma 85mm f1,4 DG HSM Art1.207 LP1.109 LP1.164 LP1.146 LP
Sigma 35mm 1.4 DG HSM Art1.180 LP999 LP1.153 LP1.094 LP
Samyang 35mm 1,4 AS UMC
1.200 LP891 LP1.186 LP1.098 LP
Canon EF 50mm 1,8 I1.110 LP723 LP1.044 LP1.058 LP
Sigma 50mm 2,8 EX DG Makro
809 LP745 LP1.140 LP1.075 LP
Sigma 14mm 2,8 EX1.083 LP519 LP1.112 LP715 LP
Samyang 24mm 1,4 ED AS IF UMC1.018 LP774 LP1.135 LP1.058 LP
Canon EF 200mm 2L IS USM
1.127 LP1.036 LP1.170 LP1.165 LP

Die Auflösungs-Werte fĂŒr Kameras und Objektive sind unterschiedlichen Tests entnommen. Da die Testverfahren nicht genormt sind, sollten alle Angaben nur als SchĂ€tzwerte verstanden werden. Alle Angaben ohne GewĂ€hr.



Welche Auflösung brauche ich? Oder: Weniger ist manchmal mehr!

Zur Freude der Kamerahersteller glauben viele "Fotografen", dass sie immer das neueste Kameramodell brauchen, weil es höher auflöst, schnellere Bildfolgen ermöglicht, und so weiter. Gut ist das fĂŒr Leute mit wenig Geld, denn die wenig benutzen KameragehĂ€use landen auf dem Gebrauchtmarkt. In vielen Vergleichtests wird klar, dass das neueste KamergehĂ€use (im hippen Kauderwelsch auch Kameraboddie oder Kamerakörper genannt), deutlich besser ist als das VorgĂ€ngermodell. Wie schön wĂ€re es, wenn die QualitĂ€t der produzierten Fotos in gleicher Weise steigen wĂŒrde. Wahrscheinlich ist eher das Gegenteil der Fall, denn dank hoher Filmempfindlichkeit und guter Bildstabilisierung werden heute noch mehr Fotos ohne Stativ gemacht, als es schon frĂŒher der Fall war. Nichts gegen SchnappschĂŒsse*, aber Knipser brauchen teure Kameras nur zum angeben. Wie oft habe ich auf meinen Reisen schon Fotografen mit einer teuren Leica gesehen, die sofort verschĂ€mt das Weite gesucht haben, als sie mich mit meinem Stativ fotografieren sahen. Manchmal bin ich ihnen gefolgt, und es war immer dasselbe: man sah schon auf den ersten Blick, dass sie mit der Kamera nicht umgehen konnten.

* Um nicht missverstanden zu werden: gekonnte SchnappschĂŒsse, wie sie bei Meistern der sogenannten "Straßenfotografie" zu finden sind, meine ich nicht. Der "Straßenfotograf" muss oft im Bruchteil einer Sekunde mehrere Einstellungen wie Perspektive, Bildausschnitt, Blende, etc., festlegen. ZusĂ€tzlich muss er neben dem Hauptmotiv auch noch den Hintergrund beachten. Das ist anspruchsvolle Fotografie, die ein hohes Maß an Können und sehr viel Erfahrung verlangt.

Kamerahersteller wollen Kameras verkaufen, und Fotozeitschriften sind auf Anzeigenschaltungen angewiesen. Das sollte kritisch machen, zumindest insofern, dass man Aussagen beider Gruppen auf ihren Wahrheitsgehalt ĂŒberprĂŒft. Dazu fehlt es vielen Gelegenheits- Fotografen jedoch an Wissen. Deshalb wollen wir an dieser Stelle mal diskutieren, welche Auflösung ĂŒberhaupt erforderlich ist. Wir haben gesehen, dass hohe Pixeldichten problematisch, und hochauflösende Objektive teuer sind. Je höher die Auflösung gewĂ€hlt wird, desto grĂ¶ĂŸer sollte der Sensor sein. Das wiederum bedingt grĂ¶ĂŸere und schwerere KameragehĂ€use und Objektive und verursacht höhere Kosten. Es macht also Sinn, eine Kamera mit nur der Auflösung zu kaufen, die man auch benötigt.

Wer seine Fotos ausschließlich mit digitalen Medien betrachtet, also auf dem Monitor, dem Fernseher, oder mit einem Videoprojektor, braucht bei HD eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Eine 3 Megapixel- Kamera genĂŒgt. Wer einen großen 4k-Fernseher hat, oder einen teuren 4K-Videoprojektor, braucht eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln. Hier reicht eine 10-MP-Kamera mit 3888 x 2593 Pixeln aus. Um Bildausschnitte wĂ€hlen zu können, darf es natĂŒrlich noch etwas mehr sein; ein zu großer Beschnitt ist aber nicht sinnvoll. Also reichen 12 MP. 

Die höchsten Auflösungen benötig man fĂŒr FotoabzĂŒge. Bei geringem Betrachtungsabstand sollte die Auflösung eines Fotos idealerweise 300 dpi haben. Höhere Werte sind nutzlos, weil der erhöhte Detailreichtum von unseren Augen nicht wahrgenommen werden kann. Bei zunehmendem Betrachtungsabstand nimmt der benötigte dpi-Wert ab. FĂŒr Wandbilder und kleine Fotoausstellungen hat sich die GrĂ¶ĂŸe 30 x 45 cm bewĂ€hrt. Ein Bild von 30 x 45 cm hat bei 300 dpi eine Aufösung von etwa 5.000 x 3.500 Pixeln, was einer Kameraauflösung von 18 MP entspricht. Da man ein Wandfoto normalerweise nicht von ganz nah anschaut, reichen 16 MP allemal aus. Aber bedenke: Eine hohe Kameraauflösung allein ist keine Garantie fĂŒr einen hohen Detailgrad beim Ausdruck. Eine Auflösung von 24 Megapixen ist sicherlich optimal, aber nur die besten Vollformat-Objektive erreichen diese Auflösung. Viele Vollformat-Zoom- Objektive liefern weniger als 10 Megapixel, viele APS-C-Format- Zoomobjektive sogar weniger als 6 Megapixel! Bei höheren ISO-Werten liefert eine rauschfreie 12-MP-Vollformat-Kamera mit einem guten Objektiv detailreichere Bilder als eine Ă€hnliche 24-MP-Kamera mit einer starken Rausch- UnterdrĂŒckung oder einem schlechten Objektiv. Profikameras wie die Nikon D3s von 2010 mit einer Auflösung von nur 12 Megapixel sind auch heute noch sehr gefragt. Als beste Schwachlicht-Kamera gilt die Sony A7s, die aus physikalischen GrĂŒnden ebenfalls eine Auflösung von 12 Megapixeln hat. An dieser Stelle kommt die Frage auf, wie wichtig es fĂŒr den tĂ€glichen Einsatz ist, dass die Kamera bei sehr hohen ISO-Werten einsetzbar ist. Wer frĂŒher analog fotografiert hat, und nur ISO-100- Filme zur VerfĂŒgung hatte, wird schon glĂŒcklich sein, wenn er mit ISO 400 fotografieren kann. Andererseits tun sich ganz neue fotografische Möglichkeiten auf. Außerdem haben die Hersteller es geschaft, trotz hocher Pixeldichte eine gute BildqualitĂ€t bei hohen ISO-Werten zu erreichen. Zum Vergleich horizontaler Pixelabstand: Sony S3 = 8,4 ”m, Sony R4 = 3,8 ”m, Fuji50 S2 = 5,3 ”m.

Einige Digitalkameras bieten eine sogenannte Pixelverschiebe-Funktion. Dabei nimmt die Kamera mehrere unkomprimierte RAW-Bilder auf, wĂ€hrend sie den Bildsensor um jeweils einen Pixel verschiebt. Aus den Einzelbildern wird im KameragehĂ€use ein Bild mit der mehrfachen Sensorauflösung erstellt. Aufgrund der begrenzenden Auflösung des Objektivs sind damit keine deutlich höheren Auflösungen zu erreichen, jedoch wird die BildqualitĂ€t verbessert, vor allem bei Kameras mit Bayer-Sensor. Dadurch werden kleine Strukturen im Bild klarer und schĂ€rfer. Landschafts- und Architektur- Fotografen dĂŒrfen davon profitieren.

Einen Vorteil digitaler Kameras möchte ich noch erwĂ€hnen: Aus mehreren, sich ĂŒberlappenden Hochformat-Aufnahmen, kann man am Computer ein Foto mit der doppelten Kameraauflösung erstellen. Oder Panorama- Aufnahmen mit der drei- oder vierfachen Kamera- Auflösung. Man erspart sich durch diese Technik sogar ein Super- Weitwinkel- Objektiv. Die BildqualitĂ€t ist auch besser, da lĂ€ngere Brennweiten weniger Verzeichnungen haben. Ein Stativ ist empfehlenswert. Spezielle Panorama- Köpfe ermöglichen sogar mehrzeilige Aufnahmen. FĂŒr SchnappschĂŒsse ist die Methode selbstverstĂ€ndlich nicht geeignet, aber bei Architektur- und Landschafts- Aufnahmen kommt man so zu sehr hochauflösenden Fotos, die man allerdings extrem selten benötigt.

Panoramasystem mehrzeiligPanoramasystem einzeilig
Bildquelle: Novoflex.de
Quellen: Wikipedia, Chip, Traumflieger, DPReview
Beispiel
Das folgende Bild wurde mit einer 16-MB-MFT-Kamera erstellt. Aus 9 Belichtungsreihen wurden 9 HDR-Einzelbilder im Hochformat erstellt und dann mit Photomerge zusammengesetzt. Das fertige Bild hat eine Breite von 18.570 Pixeln. Die Höhe wurde beschnitten. Bei einer Auflösung von 300 dpi ergibt sich eine Breite 1,57 m. Da bei so großen Bildern der Betrachtungsabstand entsprechen grĂ¶ĂŸer sein muss, um das ganze Bild zu erfassen, kann das Foto praktisch unbegrenzt vergrĂ¶ĂŸert werden. Durch einen Mausklick auf das Bild wird das Foto in OriginalgrĂ¶ĂŸe geladen.

Landschaft in Griechenland
Landschaft in Griechenland (Chalkidiiki


Technik ist nicht alles

Die Kamera ist das Werkzeug des Fotografen, nicht mehr, und nicht weniger! Kein Arzt kauft stÀndig das neueste Ultraschall-GerÀt, obwohl er damit womöglich genauere Diagnosen stellen könnte. Kein Handwerker wechselt sein Werkzeug jedes Jahr gegen ein besseres aus. Doch viele Fotografen fiebern stÀndig dem neuesten KameragehÀuse entgegen. Das war schon immer so. Die aktuellen Digitalkameras und viele Objektive sind deutlich besser, als die letzten analogen Modelle. Konnte man deshalb im 20. Jahrundert keine guten Fotos machen? Wohl kaum. Fotografie ist mehr als nur Technik. Die Technik ist lediglich das Mittel zum Zweck.

Auto Wreck, Washington DC, 1923




Ein (nicht ganz) neues Syndrom

Die Amerikaner sind sehr kreativ, die Deutschen leider nicht. So werden stĂ€ndig neue Begriffe aus dem Englischen ĂŒbernommen, ohne ein passendes deutsches Wort dafĂŒr zu erfinden, denn das erfordert ebenfalls KreativitĂ€t.

Der Wunsch von Fotoamateuren, immer das neueste und beste zu besitzen, hat zu dem Begriff "Gear Acquisition Syndrome", kurz GAS, gefĂŒhrt. Also dem Syndrom, stĂ€ndig eine neue AusrĂŒstung erwerben zu mĂŒssen. Geeignete deutsche Begriffe sind Amateurfotografen-Krankheit oder AusrĂŒstungs-Sucht. Statt die zur VerfĂŒgung stehende Zeit mit fotografieren zu verbringen, beschĂ€ftigen sich die Betroffenen lieber mit der Technik. Sie lesen stĂ€ndig Test- und Erfahrungsberichte, verzweifeln an den Kritikpunkten, und kaufen immer wieder neu, mit dem unguten GefĂŒhl, schon bald wieder nur das zweitbeste zu besitzen. Die FotoausrĂŒstung ist nicht mehr das Werkzeug des Hobbies, sondern der Hauptzweck. Das Fotografieren wird zur Nebensache. Deutlich zu erkennen ist das auf dem Gebrauchtmarkt. Ein großer Teil der angebotenen KameraausrĂŒstung wurde kaum benutzt. Eine Recherche im Internet, z. B. auf www.flickr.com, zeigt schnell, dass mit den besten und teuersten Objektiven fast nur schlechte SchnappschĂŒsse produziert werden. Eine billige Kompakt-Kamera hĂ€tte dafĂŒr ausgereicht.

An dieser Stelle noch ein Wort zu Kamera-Testberichten: Immer wieder werden Spitzenmodelle in Kamera-Tests abgestuft, weil sie kein eingebautes BlitzgerĂ€t haben. In Wahrheit stuft das jedoch nicht die Kamera herab, sondern den Tester bzw. das Fotomagazin. Kein seriöser Kamerahersteller wird in eine Profi-Kamera ein Mini-BlitzgerĂ€t einbauen, denn der Profifotograf braucht kein Spielzeug, sondern ein ArbeitsgerĂ€t. Nur Dilettanten schalten nachts, vor einem großen GebĂ€ude stehend, das Miniatur- BlitzgerĂ€t ihrer piepsenden AnfĂ€nger-Kamera ein. Ähnliches gilt fĂŒr Motivprogramme. In einigen Tests gehen selbst minimale Unterschiede, die sich in der Praxis nicht bemerktbar machen, in die Bewertung ein. Was also sind solche Testberichte wert? Sicherlich sind sie nicht generell unbrauchbar, aber man sollte sie kritisch lesen.


Zusammenfassung und Schlussbemerkung

Die tatsĂ€chlich von der digitalen Kamera erreichte Auflösung hĂ€ngt von mehreren Faktoren ab. Neben der Anzahl der Pixel spielen auch die Pixeldichte und die von der Kamera zur Verarbeitung der Bildsignale verwendeten Hard- und Software eine wichtige Rolle. GrĂ¶ĂŸere Sensoren liefern bei gleicher Auflösung eine bessere BildqualitĂ€t. Bei den teuersten Systemkameras begrenzt das Objektiv die reale Auflösung.

Je höher die Auflösung des Sensor ist, desto stĂ€rker machen sich Ungenauigkeiten im Bild bemerkbar. Wenn du in ein hochauflösendes Foto am Bildschirm "reinzoomst", wirst du jeden kleinen Bildfehler als störend empfinden. Kleine Verwacklungs-UnschĂ€rfen, Chromatische Aberrationen, Farbrauschen, Fehlfokussierungen - alles kommt zum Vorschein. Große Formate und hohe Auflösungen machen nur Sinn, wenn du ein sehr guter und pedantischer Fotograf bist. Umgekehrt haben gute Fotografen die Möglichkeit, sich dank der hervorragenden Technik von der Masse abzusetzen.

Die Entwicklung von Bildsensoren geht weiter und wird in den nĂ€chsten Jahren zu deutlich besseren Kameramodellen fĂŒhren. Wer sich heute fĂŒr ein System entscheidet, sollte das nicht von einem aktuellen KameragehĂ€use abhĂ€ngig machen, sondern vom Verwendungszweck und von den zur VerfĂŒgung stehenden Objektiven unter BerĂŒcksichtigung seiner finanziellen Möglichkeiten.

Einen wenig beachteten, aber enorm wichtigen Punkt, möchte ich hier noch erwĂ€hnen: eine Kamera ist wie eine Geliebte. Mit einer Kamera, in die man nicht verliebt ist, wird man nicht viele gute Fotos machen, und sei sie noch so perfekt. Vielleicht wird dir jetzt klar, warum gute Fotografen (mĂ€nnliche wie weibliche) nicht alle zwei Jahre ihre Kamera wechseln?


Merke:

Ein guter Fotograf macht mit einer alten Kamera bessere Fotos,
  als ein schlechter Fotograf mit einer hochmodernen Kamera.

Kunst kommt von können, Technik-Verliebtheit vom Spieltrieb des Mannes.

Einen Profi-Fotografen erkennt man an seinem Stativ, und nicht an seiner Kamera.

Die Liste der besten Fotografen der Welt ist lang; keiner von Ihnen hatte eine teure Digitalkamera.

Die beste FotoausrĂŒstung taugt nichts, wenn man sie zuhause lĂ€sst oder nicht richtig bedienen kann.

WĂ€hrend des Fotografierens hat man keine Zeit, in der dicken Bedienungsanleitung nachzuschlagen.